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7.08 - Blick in die Vergangenheit by Anna Lena, Jewel

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»Super, in meiner Beziehung zu Sasha läuft alles schief und nun muss ich auch noch feststellen, dass meine Freunde mich völlig vergessen«, murmelte Andie vor sich hin, während sie inmitten der Flughafenhalle stand und sich umsah.

»Haben Sie etwas gesagt?«, fragte ein korpulenter Herr neben ihr, doch sie schüttelte nur peinlich berührt den Kopf.

Schon den dritten Kaffee hatte sie sich in der Wartehalle gekauft, und noch immer war niemand erschienen, um sie abzuholen. Dabei hatte sie Jack gestern extra noch Bescheid gesagt. »Shit!«, fluchte sie, als sie sich beim Aufstehen auch noch den lauwarmen Kaffee über die helle Hose schüttete.

Sie kramte in ihrer Tasche nach ihrem Handy und rief verzweifelt bei Pacey an. »Hey Pacey, hier ist Andie. Ich habe ein ganz großes Problem, und zwar muss Jack irgendwie vergessen haben, mich vom Flughafen abzuholen und jetzt steh ich hier schon seit über einer Stunde«, sagte in einem bewundernswert ruhigen Tonfall.

Pacey, der gerade von der Arbeit nach Hause gehen wollte, erkundigte sich noch genauer, in welcher Wartehalle sie sich befand und versprach ihr, dass er so schnell wie möglich da sein würde.

Andie wusste, dass sie sich auf Pacey verlassen konnte, das war schon immer so gewesen, und setzte sich seufzend wieder neben den netten Mann von eben. Etwa 45 Minuten später kam ein brünetter Kopf durch die Eingangshallentür geschossen und Andie war sehr verwundert darüber, wie schnell er es doch zum Flughafen geschafft hatte. Stürmisch umarmte Pacey Andie, denn er freute sich sehr sie schon wieder zu sehen.

Er gab ihr einen Kuss auf die Wange und nahm ganz Gentleman–like ihre Reisetasche vom Boden.

»Was machst du denn schon wieder in Capeside?«, fragte Pacey leicht abgehetzt, und beide gingen gemeinsam in Richtung Auto. Spielerisch böse schaute sie ihn an.

»Ich kann ja auch wieder gehen«, sagte sie lächelnd und stieß Pacey sanft in die Seite.

»Ach quatsch, so war das doch nicht gemeint! Ich freu mich doch, dass du da bist. Ich hab mich nur gewundert, schließlich hast du einen anstrengenden Job in Deutschland zu erledigen.«

»Na ja«, erwiderte sie ernst, »mir ist in den letzten Tagen voller Arbeit und vor allem über Weihnachten bewusst geworden, wie sehr ich meine Familie und meine Freunde in Capeside vermisse. Außerdem gibt es bestimmt sehr viel zu erzählen!«

Pacey schluckte bei dieser Bemerkung, denn, wenn Joey ihr nichts erzählt hatte, dann wusste Andie sicherlich noch nichts von ihrem Streit. »Apropos erzählen«, warf Pacey deshalb ein, als er die Tasche im Kofferraum des Autos verstaute und sich hinter das Lenkrad setzte, »wie läuft es eigentlich mit- wie war doch gleich sein Name- Sasha?«

Jetzt musste Andie schlucken, und mit einer etwas kratzigen Stimme antwortete sie: »Ja, alles bestens. Wir haben im Moment beide wenig Zeit füreinander, aber ich hoffe, dass sich das alles bald wieder legt.«

»Na das ist doch prima«, antwortete Pacey, während er nach vorne auf die Straße schaute. Eine Zeit lang herrschte Stillschweigen im Auto, denn nicht mal das Autoradio hatte Pacey eingeschaltet. »Jack und Doug geht es übrigens super und die kleine Amy entwickelt sich prächtig«, unterbrach Pacey die Stille. »Würde mich nicht wundern, wenn sie mal genauso hübsch wird wie ihre Mutter.«

Beide wurden für einen kurzen Augenblick wieder an den schmerzhaften Tod Jens erinnert, versuchten allerdings, diese Gedanken zu verdrängen.

»Das ist schön«, sagte Andie, »und bei dir und Joey, ist da auch alles okay?«

Pacey nickte nur kurz. »Jep, alles prima.«

Andie ertrug es nicht, dass es scheinbar allen ihren Freunden in Capeside wunderbar ging und nur sie solche großen Probleme hatte. Alle schienen mit ihrem Leben im Reinen zu sein. Sie hatten einen lieben Partner und begannen wahrscheinlich gerade alle mit der Familienplanung, doch ihr gelang es nicht einmal, eine gesunde Beziehung zu führen. Verzweiflung stieg in ihr auf und sie hoffte jetzt nur, dass sie in Capeside genug Zeit finden würde, um herauszufinden, ob die Beziehung mit Sasha wirklich nur diese Pause brauchte oder ob es besser war, sich einfach richtig und endgültig von ihm zu trennen.

»Andie, du hast dir übrigens Kaffee auf die Hose geschüttet«, bemerkte Pacey ganz beiläufig, als wäre es ihr selbst nicht aufgefallen, und fuhr weiter die Straße Richtung Capeside entlang.

~*~

Nachdem Pacey Andie am Strandhaus abgesetzt hatte, schaute sie sich erst mal um und genoss den Anblick des Strandes. Der Wind jagte Wolken über den Himmel, aber auch die Sonne schien noch ein bisschen. Schließlich machte sie sich auf den Weg zur Haustür und war wirklich froh, dass sie sich entschieden hatte nach Capeside zu gehen. Ein paar Tage bei Jack und der kleinen Amy würden ihr sicher gut tun. Und Jack war bestimmt auch froh, wenn er sie mal wieder um sich hatte und sie ihm helfen konnte.

Sie klingelte und einige Minuten später öffnete Jack ihr die Haustür. »Andie, was machst du denn hier?«, fragte er sie ziemlich verblüfft, wartete aber auf keine Antwort, sondern verschwand wieder ins Wohnzimmer.

Überrascht und etwas neugierig betrat Andie das Haus und schloss die Haustür hinter sich. Um ins Wohnzimmer zu kommen musste sie über jede Menge Klamotten und Spielsachen steigen. Als sie im Wohnzimmer angekommen war, sah sie Amy und Jack auf den Boden sitzen.

Die Kleine weinte und ihre Haare waren ganz verstrubbelt.

»Was ist denn hier los?«, wunderte sich Andie und sah Jack dabei fragend an.

Der blickte ein wenig genervt auf und meinte nur: »Rate mal! Amy bekommt ihre Zähne.«

Lachend sah Andie ihn an: »Und deswegen machst du so einen Stress? Gib ihr doch einfach etwas zum kauen. Dann wird es schon besser.«

Obwohl Jack erst etwas skeptisch war, hörte er am Ende doch noch auf seine Schwester. Schließlich war sie eine Frau und musste sie mit so etwas auskennen. Tatsächlich beruhigte sich Amy und kaute nun auf einem Gummiring herum. Erschöpft ließ Jack sich neben Andie auf die Couch sinken und sah sie dankbar an: »Vielen Dank. Ich weiß nicht, wie lange das noch so gegangen wäre.«

»Keine Ursache«, lächelte ihn Andie an und wollte ihn auf ihre Übernachtungsmöglichkeit ansprechen, doch Jack konnte anscheinend keine Minute ruhig sitzen bleiben und fing an, das Zimmer aufzuräumen.

»Wo ist denn überhaupt Doug? Hilft er dir nicht?«, erkundigte sich Andie nun, denn ihr Bruder schien ziemlich im Stress zu sein und die Tatsache, dass Doug ihm nicht half, beunruhigte sie doch ganz schön.

»Der ist im Moment fast gar nicht zu Hause. Ich könnte ihn hier wirklich gebrauchen, aber er ist ja nie da!«, ereiferte sich Jack und schmiss ein paar Spielsachen in eine Kiste.

Andie sah ihn mitleidig an, versuchte sich aber dennoch Dougs Verhalten zu erklären.

»Vielleicht muss er ja Überstunden machen. Schließlich hat er auch noch einen Job«, gab sie zu bedenken.

»Ich habe auch einen Job«, entgegnete Jack nur und fing an die Couch, auf der Andie saß, nach irgendetwas abzusuchen.

»Hast du ihn denn schon darauf angesprochen?«

Nun schaute Jack kurz auf und meinte dann: »Nein, habe ich nicht. Wie auch? Wenn ich morgens zu Schule muss, schläft er noch und wenn ich wiederkomme, ist er schon wieder dabei zu gehen. Dann ist da noch Amy, die alle Aufmerksamkeit braucht. Wenn wir Zeit zum reden haben, sind das vielleicht höchstens zehn Minuten.«

Andie beförderte ein Kuscheltier, auf dem sie gesessen hatte, in eine der Kisten. »Das hört sich wirklich nicht gut an. Aber ihr müsst miteinander reden, um das Problem zu lösen.«

Mit einem abgespannten Gesichtsausdruck setzte sich Jack neben seine Schwester auf die Couch. »Ich denke du hast Recht.«

Mit einem Lächeln sah sie ihn an: »Natürlich habe ich Recht.«

Jack nahm ihre Hand in seine und drückte sie. »Aber wieso bist du eigentlich hier? Gefällt dir das regnerische Deutschland nicht mehr?«

Großzügig überhörte Andie den letzten Kommentar und wollte gerade wieder ihr Anliegen vorbringen, als Amy anfing weinerlich zu gucken und Jack aufsprang, um sich um sie zu kümmern. Seufzend antwortete Andie deshalb: »Ich wollte euch nur kurz besuchen und sehen, wie es euch geht.«

»Ach so«, meinte Jack nun und fuhr dann fort: »Eigentlich ganz gut, nicht, meine Kleine?« Dabei streichelte er Amys Wange und lächelte sie an.

Andie lächelte auch angesichts der ganzen Liebe, die Jack gegenüber Amy zeigte. »Das ist schön. Ich will euch dann auch nicht aufhalten. Wir werden uns ja noch mal sehen.«

Auch Jack lächelte nun schwach und meinte: »Bestimmt. Und danke für deinen Rat. Die Haustür findest du ja selber, oder?«

Nickend lächelte Andie nochmals und ging dann in den Flur, wo ihr Koffer noch immer stand. Tja, dann musste sie irgendwo anders unterkommen. Einer ihrer Freunde würde ja wohl Platz für sie haben, denn in einem Hotel wollte sie nicht unbedingt schlafen.
Seufzend nahm sie ihren schweren Koffer und machte sich in Richtung Stadtmitte auf.

~*~

Schnaufend erreichte Andie das Restaurant von Pacey. Der Weg vom Strandhaus bis zum Restaurant, das ja im Hafen lag, war doch ziemlich anstrengend gewesen. Besonders mit ihrem schweren Koffer. Als sie die Tür öffnete, schlug ihr warme Luft entgegen und Wortfetzen kamen an ihre Ohren. Das Restaurant war einfach wunderschön, dachte Andie. Eine warme Atmosphäre empfing die Gäste und sofort fühlte Andie, wie sie wieder auftaute. Sie schaute sich kurz um und nahm dann an einem kleinen Tisch in einer Ecke Platz. Nachdem sie ihre Jacke ausgezogen und ihren Koffer aus dem Gang unter den Tisch geschoben hatte, nahm sie die Karte zur Hand und studierte sie.

Ein etwas lauterer, spitzer Schrei schreckte sie aus ihrer Konzentration. Sie fasste sich vor Schreck ans Herz und sah dann Gretchen, oder sie meinte wenigstens, dass es Gretchen war. »Gretchen?«, fragte sie und die zierliche Person vor ihr nickte.

»Hallo, Andie. Ich wusste nicht genau, ob du es bist. Aber jetzt ...« Sie ließ den Satz unbeendet und fragte dann: »Darf ich mich setzen?«

»Aber klar«, erwiderte Andie und zeigte auf den Platz ihr gegenüber. Die Bedienung kam zu ihrem Tisch und nahm die Bestellung auf.

»Was machst du denn hier? Ich meine, das letzte Mal, als ich von dir gehört habe, bist du nach Italien gegangen.«

Lachend sah Andie auf. »Genau genommen wohne ich jetzt in Deutschland. Dort habe ich auch meinen Freund und arbeite als Modedesignerin.«

»Wow. Nicht schlecht.« Gretchen blickte sie bewundernd an. »Ich hab dich ja schon lange nicht mehr gesehen und das ist wirklich eine reife Leistung.«

Lächelnd sah Andie sie an. »Danke. Ich kann dir gerne mal ein paar meiner Sachen zeigen. Sie werden sogar hier in Amerika verkauft.«

Noch immer mit einem bewundernden Blick fragte Gretchen weiter: »Und jetzt bist du hier wegen deiner Arbeit?«

»Nein, ich bin hier, weil ich alle mal wieder besuchen wollte. Und hier in Paceys Restaurant bin ich, weil ich ein Schlafplatz suche«, erzählte Andie Gretchen.

Im nächsten Moment brachte die Bedienung ihren Kaffee und beide nahmen erst mal einen Schluck.

»Da muss ich dich leider enttäuschen, die Couch ist schon an mich vermietet«, erklärte ihr Gretchen dann und sah sofort Andies enttäuschtes Gesicht.

»Das ist natürlich dumm. Dann muss ich mir wohl etwas Anderes suchen. Aber wie kommt es, dass du wieder hier bist?«, fragte Andie nun wiederum neugierig.

Gretchen nahm noch einen Schluck Kaffee und überlegte kurz, was sie erwidern sollte. »Ich habe meine Arbeitsstelle verloren und da es keine sozialen Kontakte mehr gab, die mich in Boston hielten, bin ich wieder zurückgekommen.«

Interessiert und ein bisschen mitleidig schaute Andie sie an. »Das tut mir leid für dich. Aber gab es niemanden, den du dort vermissen wirst?«

Kopfschüttelnd erwiderte Gretchen: »Ich hatte mich gerade erst von meinem Freund getrennt, der zufällig auch mein Arbeitgeber war und der war wohl nicht der Typ, der mit jemandem nach einer Beziehung noch befreundet ist.«

Andie verstand das nur zu gut und sah sie mitfühlend an. »Kommt mir bekannt vor. Wenn ich dir irgendwie helfen kann... sag einfach bescheid.«

Dankbar lächelte Gretchen sie an: »Es wird schon wieder werden. Außerdem kenn ich ja auch noch die Leute aus Capeside.«

Nickend sah Andie sie an. »Stimmt auch wieder. Wo arbeitest du denn jetzt?«

Gretchen nahm noch einen Schluck Kaffee und antwortete dann: »Ich werde erst mal wieder im Leerys Fresh Fish arbeiten, bis ich etwas Neues gefunden habe.«

»Als Übergangslösung bestimmt nicht schlecht.«

Nickend stimmte Gretchen ihr zu. Plötzlich schaute sie auf ihre Uhr und sagte dann: »Ich muss leider wieder gehen. Aber wir werden uns ja jetzt öfter sehen.«

Damit stand sie auf und auch Andie verabschiedete sich: »Ja, bis dann. Ich werde dann mal schauen, wo ich schlafen werde.«

»Bye.« Beide lächelten sich zu und schließlich verließ Gretchen das Restaurant.

~*~

Joey steckte den Schlüssel in das Schloss ihrer Wohnungstür und öffnete diese. Sie betrat ihr kleines Apartment und legte ihren Schlüssel auf die Kommode im Flur. Die letzten Sonnenstrahlen fielen durch die Fenster, doch das Apartment lag still und verlassen im Dunkeln. Noch genau so, wie sie es verlassen hatte. Das Frühstücksgeschirr stand noch auf der Ablage und auch die Brötchenkrümel waren noch auf dem Tisch und dem Boden verstreut. Seufzend zog Joey ihren Mantel aus und hängte ihn an die Garderobe. Sie ging in die Küche, beseitigte die Reste vom Frühstück und versuchte, sich abzulenken. Nachdem sie das gemacht hatte, setzte sie sich auf die bequeme Couch und rieb sich erst mal den schmerzenden Kopf. Von der ganzen Grübelei am heutigen Tag tat er erbärmlich weh, und sie würde am liebsten ein Aspirin nehmen, doch sie hatte keine Ahnung, ob sie das wegen der Schwangerschaft durfte.

Um sich auf andere Gedanken zu bringen, stellte sie den Anrufbeantworter an, um zu schauen, ob jemand eine Nachricht hinterlassen hatte. Die kleine rote Lampe leuchtete, also war dies der Fall. Sie hörte nur mit einem Ohr zu und sah nebenbei ihre Post durch.
Eine ihr vertraute Stimme ließ sie aufhorchen.

Es war Pacey. »Hallo, Joey. Wahrscheinlich bist du noch auf der Arbeit, aber ich muss das hier jetzt einfach loswerden. Als ich erfahren habe, dass du schwanger bist, war ich total überwältigt. Ich liebe den Gedanken, mit dir ein Kind zu haben. Wir beide. In einem kleinen Menschen jeweils ein Teil von uns. Du weißt nicht wie sehr ich mich freue. Doch seit dem Wochenende hast du dich nicht mehr gemeldet. Ich weiß nicht, ob du so viel auf der Arbeit zu tun hast, oder dich einfach an den Gedanken gewöhnen musst, dass wir ein Kind haben werden, aber...«, Joey hörte Pacey sich räuspern und wartete geduldig, dass er fortfuhr. »… wenn du die Nachricht hörst, ruf mich bitte an. Ich liebe dich.« Wieder piepte die Maschine und das rote Licht ging aus.

Nachdenklich starrte Joey das Telefon an und ließ die Worte erst mal in ihren schweren Kopf sickern. Langsam merkte sie, wie die einzelnen Worte zu ihr durchdrangen. Pacey freute sich auf das Kind. Er freute sich wirklich auf das Kind. Aber warum hatte er die ganze Zeit nur von dem Kind geredet? Sie freute sich, dass er sich noch immer auf das Baby freute, aber interessierte ihn überhaupt, was sie dachte? Nicht ein einziges Mal hatte er sie gefragt, was sie davon hielt und wie es ihr damit ging. Immer hatte er von dem Kind geschwärmt.

Niedergeschlagen setzte sich Joey auf die Couch und zog ihre Knie bis zum Kinn. So zusammengekauert saß sie auf dem Sofa und hatte ganz schöne Gewissensbisse.

Wieso freute sie sich nicht so auf das Kind wie Pacey?

Natürlich hatte sie sich gefreut, aber dann waren all die Fragen gekommen und sie hatte sich nicht getraut, Pacey in seinem Enthusiasmus zu stoppen und die Sache erst mal sachlich zu klären. Als sie nun wieder in New York angekommen war, dachte sie andauernd über all die Konsequenzen nach. Plötzlich klingelte das Telefon wieder und Joey schreckte hoch. Ihre braunen Augen huschten nervös zum Telefon und über die Einrichtung. Doch das Gerät wollte nicht aufhören zu klingeln. Leise stand Joey auf, ging zum Telefon hinüber und zog den Stecker aus der Wand.

Wahrscheinlich war es Pacey gewesen und sie konnte jetzt einfach nicht mit ihm reden. Deshalb würde sie ihn auch nicht anrufen. Etwas bedrückt ging sie zum Kühlschrank, holte sich eine Packung Vanilleeis und kuschelte sich unter eine Wolldecke. Nachdem sie die DVD von ‚Eiskalte Engel’ in den Player geschoben hatte, nahm sie einen Löffel Eis und ließ es auf der Zunge zergehen. Nochmals blickte sie auf das Telefon, konzentrierte sich dann aber auf den Film.

~*~

Gerade als Andie ihre Sachen zusammenpacken wollte, kam eine ihr sehr bekannte Person in das Restaurant.

»Hey, Doug«, machte sie den Freund ihres Bruders auf sich aufmerksam. Dieser lächelte ihr zu und kam dann zu ihr. »Hallo, Andie. Was machst du denn hier?«

Andie lud ihn mit einer Handbewegung ein, sich zu ihr zu setzen, was er dann auch tat. »Ich bin zu Besuch in Capeside, aber da ihr ja sichtlichen Stress habt, wollte ich nicht stören und schlafe jetzt woanders«, erzählte ihm Andie.

Und sofort stimmte Doug ihr zu: »Stimmt schon, das mit dem Stress. Ich muss in letzter Zeit einfach viel zu viele Überstunden machen.«

Andie sah ihn vorsichtig an und fragte: »Merkst du denn nicht, wie enttäuscht und erschöpft Jack ist? Als ich gerade bei ihm war, konnte er nicht mal ordentlich mit mir reden.«

Seufzend erwiderte Doug: »Ich kann es nicht ändern. Aber du musst mir glauben, dein Bruder bedeutet mir sehr viel.«

Ein Lächeln schlich sich auf das Gesicht der blonden Frau und sie nahm seine Hand und drückte sie. »Ich weiß das sehr wohl. Aber weiß Jack das auch?«

Doug nahm einen Schluck von dem Getränk, das ihm die Kellnerin gerade gebracht hatte, und meinte dann seufzend: »Ich versuche ihm das immer zu zeigen, aber wie soll ich das machen, wenn ich nicht oft zu Hause bin?« Mitfühlend sah Andie ihn an, doch Doug fuhr schon fort: »Er ist so eine wunderbare Person, aber ich muss die Überstunden machen, damit wir von etwas leben können. Wenn es nicht so wäre, würde ich meinen Job aufgeben und nur noch für ihn und Amy da sein.«

Beeindruckt sah Andie den ihr gegenübersitzenden Mann an und sagte: »Wow. Er muss dir ja wirklich viel bedeuten.«

Insgeheim stellte sie gerade fest, dass es wohl doch gut gewesen war, nicht bei Jack im Strandhaus zu bleiben, denn nachdem Doug ihr all diese Sachen erzählt hatte, wurde sie nur noch mehr an ihr eigenes Leid erinnert.

»Ich versuche ja schon Einiges zu ändern und ich denke, das wird auch funktionieren. Nach diesem Monat wird es wieder bergauf gehen.«

Lächelnd sah Andie ihn wieder an. »Das hoffe ich für euch beide wirklich sehr.«

»Wenn du keinen Schlafplatz mehr findest, dann melde dich einfach. Schließlich können wir dich nicht auf der Straße wohnen lassen«, bot Doug ihr an und lächelte.

Doch dankbar schlug Andie das Angebot aus: »Ich werde schon etwas Anderes finden. Ihr beiden könnt die Zeit besser miteinander verbringen, als mich auch noch dabei zu haben.«

»Andie, wir haben dich wirklich gerne bei uns und das weißt du auch.«

Natürlich wusste Andie dies, aber warum konnte sie dann nicht daran glauben? Diese zwei Personen hatten sie gern, aber warum konnte Sasha nicht dasselbe für sie empfinden?

Seufzend schaute sie wieder Doug an, der gerade anfing seine Jacke anzuziehen. »Ich muss noch bei Pacey im Büro vorbeischauen. Wie gesagt, wenn du nichts findest, dann meld dich einfach.«

Nickend antwortete Andie: »Mach’ ich. Danke noch mal und bestell Jack einen lieben Gruß von mir.«

»Wird gemacht. Tschüß, Andie!«, verabschiedete sich Doug und ging in Richtung Paceys Büro.

»Bye«, winkte ihm Andie nach und schaute dann aus dem Fenster. Seufzend gestand sie sich ein, dass es viel einfacher gewesen wäre, mit Doug zum Strandhaus zu gehen, aber sie hatte eine Entscheidung gefällt und musste jetzt auch mit den Konsequenzen leben.
Außerdem war es sicherlich auch mal ganz schön, Zeit für sich zu haben und nicht andauernd mit den Dramen anderer in Berührung zu kommen. Schließlich hatte sie in ihrem eigenen Leben schon genug Dramen. Wieder seufzte sie und legte dann das Geld für ihren Kaffee neben das von Doug. Sie zog ihre Jacke an und nahm dann ihren Koffer, um sich endlich einen Schlafplatz zu suchen.

~*~

Die kühle Fensterscheibe des Autos fühlte sich angenehm an Ashleys warmem Kopf an. Sie schaute nach draußen und es schien eine beruhigende Wirkung auf sie zu haben, die Regentropfen am Fenster abperlen und hinunterlaufen zu sehen. Draußen regnete es und es war auch ziemlich windig. Insgeheim freute sich Ashley darüber, aber sie zeigte es natürlich nicht. Schließlich wollte sie Justin gegenüber nicht zickig klingen. Immerhin musste einer von ihnen noch arbeiten und ihm machte seine Arbeit ja wirklich Spaß. Er liebte es, Models zu fotografieren, aber auch Landschaften. Er war ja auch wirklich unheimlich kreativ.

»Mist, wieso regnet es jetzt nur?«, ärgerte sich Justin, der auf dem Fahrersitz saß.

Ashley wandte ihren Kopf vom Fenster ab und sah ihn an. »Vielleicht sollst du einfach nicht fliegen!«

»Oh ja. Vielleicht hat Don das schlechte Wetter bei Petrus bestellt«, witzelte Justin etwas gereizt. Don war sein ärgster Konkurrent, und er würde auch dort sein. Die beiden waren schon immer Konkurrenten in jeder Hinsicht gewesen, doch Justin war es gewesen, der Ashley bekommen hatte.

»Ach, du weißt doch, dass sie dich wollen. Ansonsten hätten sie dich nicht dorthin bestellt«, beschwichtigte seine Frau ihn und legte ihre Hand vorsichtig auf seine, die auf der Gangschaltung ruhte.

Sofort entspannte Justin sich wieder und sah die Blondine neben sich an. »Du hast Recht, mein Schatz. Wahrscheinlich ist er nur zum Zuschauen dorthin bestellt worden.«

Nun musste auch Ashley ein bisschen grinsen.

Eine halbe Stunde später standen die beiden in der großen Wartehalle und Justin musste sich bald verabschieden.

»Warum kommst du nicht einfach mit?«, versuchte Justin Ashley erneut zu überreden. »Wir könnten ein paar schöne Tage dort verbringen und du könntest alte Freunde treffen«, argumentierte er weiter.

Doch Ashley schüttelte entschlossen den Kopf. Vorsichtig löste sie sich ein bisschen aus der Umarmung und sah ihn an: »Du weißt ganz genau, dass ich nicht wieder dorthin möchte. Es liegen einfach zu viele schlechte Erinnerungen dort begraben.«

Justin lächelte ihr traurig zu. »Wahrscheinlich hast du Recht. Ich möchte dich möglicherweise auch nur überreden, weil ich es nicht ohne dich aushalte.«

Ashley lächelte ihn zärtlich an und meinte nun leise: »Ich werde dich auch vermissen. Vor allem, weil ich keine Ahnung habe, was ich machen soll. Du wirst eine Menge Spaß bei der Arbeit haben und ich?«

Traurig guckte sie zu Boden, doch sanft hielt Justin ihr Gesicht fest und schaute ihr tief in die Augen. »Was ist denn los?«

Doch Ashley wusste nicht, ob sie es sagen sollte. Schließlich kannte sie ihn gut genug, um zu wissen, dass er vielleicht die ganze Sache wegen ihr absagen würde. Sie konnte ihm einfach nicht erzählen, dass sie Angst davor hatte, allein zu sein.

Wie sollte sie den normalen Alltag meistern?

Als sie noch in Hollywood gewohnt hatten, waren sie immer zusammen gewesen und Ashley hatte ihre Probleme mit ihm in den Griff bekommen. Doch würde sie die Probleme auch allein bewältigen? Ein bisschen Angst hatte sie davor, aber sie musste allein damit zurechtkommen, schon deswegen, weil Justin auch mal wieder ein paar freie Tage brauchte. Deshalb erwiderte sie nur: »Ich weiß einfach nicht, wie ich die Zeit ohne dich aushalten soll.«

Mit einem aufmunternden Lächeln schaute er sie an: »Ich werde dich jeden Tag anrufen, versprochen. Außerdem wird es ja nicht so lange dauern.«

Zustimmend nickte Ashley und brachte ein kleines Lächeln über die Lippen. Sanft zog sie ihn wieder zu sich heran und vergrub ihren Kopf in seiner Halsbeuge. Beide genossen das Gefühl, dem Anderen nah zu sein und bekamen das bunte Treiben um sie herum gar nicht mit.

»Flug Nummer 765 nach Los Angeles, bitte zum Einsteigen bereitmachen«, schalte da eine Stimme durch den Lautsprecher.

Justin und Ashley schauten sich wieder an und schließlich flüsterte Justin leise: »Ich liebe dich, mein Schatz. Ich werde dich jeden Tag anrufen, versprochen.«

Ashley hatte nun schon mit den Tränen zu kämpfen und konnte nur leise erwidern: »Ich liebe dich auch.«

Justin drückte ihr einen letzten Kuss auf die Lippen und winkte ihr zu, als er zum Check-In ging. Tränen liefen Ashley die Wangen hinunter, als sie Justin mit einem leichten Reisekoffer auf das große Tor zugehen sah. Bevor er fast nicht mehr zu sehen war, drehte er sich nochmals um und warf ihr eine Kusshand zu.

Dies brachte Ashley doch noch zum Lächeln und sie winkte ihm zu. Vielleicht wurden die Tage ja doch nicht so schlimm. Mit diesem Gedanken machte sie sich auf den Weg zurück nach Capeside.

~*~

Als Ashley vom Bostoner Flughafen zurückkehrte, entschied sie sich dazu, nicht sofort nach Hause zu fahren, sondern vorher noch in der Stadt Halt zu machen, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Schließlich war sie nun Strohwitwe und musste sich die nächsten Tage selbst versorgen.

Der Abschied von Justin war ihr schon ziemlich schwergefallen, doch sie hatte sich damit abgefunden, dass er auch seiner Arbeit nachgehen musste. Und schließlich war es manchmal gar nicht so schlecht allein zu sein, dachte sie optimistisch und betrat den kleinen Supermarkt, der sich auf der meist befahrenen Straße Capesides befand. Sie steckte ihren Einkaufschip in den Wagen und fuhr damit langsam durch die engen Gänge.
Immer wieder schaute sie sich die Auslagen der verschiedensten Artikel an, als sie plötzlich einen Aufschrei vernahm.

»Au«, sagte eine weibliche Stimme und erst jetzt bemerkte Ashley, dass sie jemandem mit ihrem Wagen in die Hacken gefahren war.

»Oh mein Gott, es tut mir wirklich fürchterlich l… «, wollte sich Ashley gerade entschuldigen, als ihr auffiel, wer da eigentlich vor ihr stand. »Oh, hallo. Kennen wir uns nicht?«, fragte sie jetzt etwas schüchtern. »Du bist doch Jack McPhees Schwester, nicht wahr?«

Andie nickte und freute sich, dass sie endlich jemanden Bekanntes traf, der Zeit für sie hatte. Das Missgeschick mit dem Einkaufswagen war bereits vergessen und die beiden Frauen schlenderten gemütlich durch die Gänge weiter.

»Warum bist du denn schon wieder in Capeside?«, fragte Ashley Andie interessiert. »Lebst du nicht normalerweise in Deutschland?«

Wieder wurde Andie an die Sache mit Sasha erinnert und antwortete: »Ja, normalerweise schon. Aber Capeside bezeichne ich nun mal als mein Zuhause und ich wollte einfach unbedingt meine alten Freunde wiedersehen.« Andie hoffte, dass Ashley ihr das abnahm, aber warum sollte sie das nicht tun?

»Das ist schön«, erwiderte Ashley und sah die blonde Frau vor ihr bewundernd an. »Und jetzt wohnst du bei deinem Bruder, nehme ich an?«

Andie schüttelte betreten den Kopf. »Nein, leider nicht. Ich bin nicht dazu gekommen, ihn zu fragen, da er im Moment genug mit seiner Ziehtochter und seinem Freund zu tun hat.«

Ungläubig schüttelte Ashley den Kopf. »Und andere Ausweichmöglichkeiten hast du nicht?«, fragte sie noch, als sie gerade an der Kasse angekommen waren und die Ware auf das Band legten.

Wieder verneinte Andie. »Nein. Ich hatte noch die Hoffnung, dass ich bei einem guten Freund übernachten kann, aber bei ihm hat sich gerade seine Schwester einquartiert, so dass diese Option auch wieder wegfällt.«

Kurze Zeit herrschte Stille zwischen den beiden, als sie ihre Artikel bezahlten und diese in den Tüten verstauten. Man sah Ashley jedoch an, dass sie angestrengt nachdachte.

»Andie? Ich wüsste da vielleicht etwas, wo du übernachten könntest. Natürlich musst du das auch wollen und mir ist das eben nur so in den Sinn gekommen.« Ashley fühlte sich sichtlich unwohl bei dem, was sie jetzt sagen wollte, doch Andie bat sie weiter zu sprechen. »Wir kennen uns zwar nicht besonders gut, aber ich würde dir anbieten bei Justin und mir für einige Zeit unterzukommen.«

Andies Augen hellten sich auf. »Meinst du das wirklich ernst? Was sagt denn überhaupt dein Mann dazu?«

Ashley, die gerade die Tüten in den Kofferraum tat, winkte ab. »Justin ist die nächsten Tage nicht in der Stadt. Er hat geschäftlich in Hollywood zu tun. Und selbst wenn er da wäre, hätte er sicherlich nichts dagegen einzuwenden, dass du unser Gästezimmer beanspruchst.«

Andie fiel Ashley überglücklich um den Hals. »Das ist wirklich toll von dir. Ich hätte nicht gedacht, dass ich im Supermarkt eine Lösung für mein Problem finden würde«, sagte Andie witzelnd und konnte es immer noch nicht richtig fassen.

Ashley freute sich, dass sie Andie glücklich machen konnte, doch so ganz uneigennützig hatte sie dies auch wieder nicht getan. Sie freute sich, dass sie die nächsten Tage nicht allein verbringen musste und würde so vielleicht auch etwas von Justin abgelenkt werden.

Beide Frauen stiegen nun in Ashleys kleines Auto und holten noch Andies Reisetasche vom »Icehouse« ab, da sie diese dort hatte stehen lassen.

Vielleicht wird ja doch noch alles gut, dachte sich Andie und wusste nicht, dass Ashley in diesem Augenblick genau den gleichen Gedanken hatte.

~*~

Doug trug die kleine Amy sanft in seinen Armen bis in ihr liebevoll eingerichtetes Kinderzimmer, welches völlig nach Jens Geschmack gewesen wäre. Vorsichtig legte er das zarte, blonde Mädchen in ihr Gitterbettchen und deckte sie mit ihrer Winnie-Puh Bettwäsche zu.

Doug drückte ihr noch einen weichen Kuss auf die Stirn und wollte gerade aufstehen, als Amy ihm lächelnd beide Arme entgegen streckte. »Dadda«, sagte die Kleine und Doug lief eine klitzekleine Träne die Wange hinunter, denn bis jetzt war es immer nur Jack gewesen, den Amy »Daddy« genannt hatte.

Gerührt von dem Ausspruch des Mädchens, nahm er sie herzlich in die Arme und drückte sie ganz fest an sich. »Ich hab dich lieb, mein Schatz«, sagte er noch und keine Sekunde später fielen Amy auch schon die Augen zu.

Vorsichtig löschte Doug das Licht und ließ lediglich den kleinen gelben Mond, der an der Wand in Amys Zimmer hing, erleuchten, damit sie in der Dunkelheit keine Angst bekam. Leise schloss er die Tür und freute sich jetzt schon darauf, Jack, der im Wohnzimmer saß, von dem Erlebnis mit Amy eben zu erzählen.

Er betrat das geräumige Zimmer und wollte schon anfangen zu erzählen: »Jack, du w …«, als ihm auffiel, dass Jack über dem Buch, was er vorhin noch gelesen hatte, eingeschlafen war. »Wie werde ich ein guter Vater«, las Doug den Titel des Buches vor und legte es auf den kleinen Beistelltisch neben der Couch.

Vorsichtig setzte er sich auf den Rand der Couch, immer bedacht darauf, Jack bloß nicht zu wecken und sagte zu ihm: »Das bist du doch schon längst.«

Er hatte in den letzten Monaten große Probleme damit gehabt, seine eigenen Gefühle und Ängste zu offenbaren, und beinahe wäre daran auch ihre Beziehung zerbrochen, aber Doug wurde klar, dass er irgendwann zu seiner Homosexualität stehen musste.

Sanft nahm er nun Jacks Hand in die seine und lächelte in seine Richtung. »Du weißt gar nicht, wie glücklich ich mit dir bin, Honey!« Ein leichtes Lächeln erschien auf Dougs Gesicht, denn noch vor ein paar Monaten hatte er sich sehr darüber geärgert, dass Jack ihn immer »Honey« genannt hatte.

»Amy hat mich heute zum ersten Mal »Dadda« genannt. Du glaubst gar nicht, was das für ein tolles Gefühl ist, endlich zu spüren, dass man dazu gehört. Ich bin mir auch heute zum ersten Mal bewusstgeworden, dass ich noch nie so glücklich war wie jetzt, Jack. Damals habe ich meinen kleinen Bruder immer so beneidet, als er mit Andie und Joey glücklich war. Ohne dich wäre ich wahrscheinlich irgendwann als verbitterter, alter Mann geendet und hätte nie erfahren, was es heißt, eine richtige eigene Familie zu haben. Amy und du, ihr seid wirklich mein Ein und Alles!«

Noch einige Zeit blieb Doug einfach an Jacks Seite sitzen und hielt seine Hand. Er dachte auch das erste Mal glücklich an die ihnen nun bevorstehende Zukunft und merkte gar nicht, wie ihm nun selbst schon fast die Augen zufielen. Langsam löste er seine Hand aus der von Jack und ging hinüber ins Bad, um sich dann selbst anschließend schlafen zu legen. Jack wollte er nicht extra wecken, denn er wusste, dass dieser heute einen sehr anstrengenden Tag gehabt hatte, und dass es wohl besser war ihn jetzt dort schlafen zu lassen, wo er doch gerade ein so zufriedenes Lächeln auf den Lippen hatte.

Als Doug im Bad verschwunden war, öffnete Jack langsam seine Augen. Eine Träne kullerte langsam seine linke Wange herunter. Er war froh, dass er sich schlafend gestellt hatte, als Doug vorhin den Raum betreten hatte, denn ansonsten hätte er vermutlich nie die tollen Worte gehört, die ihm immer noch durch den Kopf kreisten. Er drehte sich auf der Couch um und schlief auf der Stelle ein. Natürlich nicht, ohne sich vorher vorzunehmen Doug am nächsten Morgen zu erzählen, dass er all die schönen Sachen über sich gehört hatte.

~*~

Völlig entspannt saß Andie auf dem gemütlichen Sofa der Harpers. In ihrer Hand hielt sie die neue ‚JOY’ und las gerade einen Artikel über die neue Mode von Dolce & Gabbana. Endlich hatte sie eine Schlafstelle gefunden und dazu noch eine richtige gemütliche. Nebenbei freute sie sich natürlich auch, dass Ashley bei ihr war. Schließlich ließe es sich so allein nicht gut wohnen. Nachdenklich blätterte sie weiter und studierte die nächsten Seiten. Vielleicht konnte sie ja noch etwas für ihre eigene Kollektion gebrauchen. Plötzlich zuckte die blonde Frau zusammen. Irgendwo war anscheinend irgendetwas heruntergefallen, denn es gab einen riesigen Krach. Beruhigend legte sie eine Hand auf ihren Brustkorb und atmete erst mal durch. Wahrscheinlich war Ashley irgendwas heruntergefallen, beruhigte sie sich selbst. Vorsichtig horchte sie auf weitere Geräusche und sie musste genau hinhören und stutzte.

Weinte da jemand? Was hatte das zu bedeuten? Hatte Ashley sich vielleicht verletzt?

So langsam wurde Andie unruhig und schaute immer wieder zur Badezimmertür, hinter welcher das Geräusch zu hören gewesen war. Sie stand schließlich auf und ging langsam auf die Tür zu. »Ashley? Ist alles okay? Bist du verletzt?«

Als keine Antwort von Ashley kam und das Weinen nicht aufhörte, stieß Andie die Badezimmertür auf und fuhr erschrocken zurück. Dort, auf den Fliesen des Badezimmers, saß Ashley mit verwuschelten Haaren, die ihr ins Gesicht fielen, nur mit einem T-Shirt bedeckt. Um sie herum lagen verschiedene Dosen und kleine Pillen lagen auf dem Fußboden verstreut. Sofort kniete sich Andie neben sie auf den Boden und fasste sie vorsichtig an die Schulter.

Ashley zuckte zusammen und schaute dann hoch.

Erschrocken musterte Andie die junge Frau und war entsetzt. Vom Weinen hatte Ashley ganz rote, geschwollene Augen und ihre Haut war merkwürdig weiß.

»Ashley, was ist denn passiert?«, fragte Andie entsetzt und legte ihre Arme vorsichtig um Ashley. Diese wiegte sich schon die ganze Zeit vor uns zurück und konnte gar nicht mehr aufhören zu weinen.

»Pscht, ist ja gut. Ganz ruhig«, versuchte Andie sie zu beruhigen und strich ihr erst mal die Haare aus dem Gesicht. Das leise Wimmern der jungen Frau wurde von ein paar Schluchzern unterbrochen, doch sie schien sich langsam zu beruhigen. Andie streichelte vorsichtig ihre Schulter und versuchte, ihr das Gefühl zu geben, für sie da zu sein. »Ist ja gut, Ash. Was ist denn passiert?«

Endlich schien Ashley in der Lage zu reden zu sein und schaute Andie mit ihren großen blauen Augen an: »Ich habe keine Pillen mehr.«

Überrascht fragte Andie sie weiter: »Was denn für Pillen?«

Unruhig huschten Ashleys Augen durch den Raum und sie schien zu überlegen. Doch dann kam ein leises Flüstern: »Ich habe nur noch so starke Pillen und wenn ich die nehme ...« Sie brach mitten im Satz ab.

Andie schlussfolgerte: »Du nimmst Antidepressiva?«

Da sie selbst Erfahrungen mit so etwas hatte, kannte sie die Nebenwirkungen von starken Pillen. Ashley nickte und erzählte dann leise weiter: »Ich habe irgendwie total Panik bekommen, als ich gemerkt habe, dass nur noch die starken Pillen da waren und hatte Angst die Kontrolle zu verlieren.«

Auch Andie hatte jetzt kapiert, dass Ashley anscheinend schwerwiegende Probleme hatte und fragte sie: »Möchtest du mir vielleicht erzählen, warum du die Pillen nimmst? Vielleicht hilft es dir ja.«

Obwohl Andie wusste, wie schwer es war, jemandem seine Probleme anzuvertrauen und sich somit verletzlich zu machen, hoffte sie, Ashley würde sich an sie wenden.

Auch Ashley überlegte, aber da Andie im Moment die einzige Person war, mit der sie reden konnte und Andie sie auch so vorgefunden hatte, versuchte sie es ihr zu erklären: »Mein Arzt verschreibt mir die Pillen, weil ich unter Depressionen leide.« Mitfühlend nickte Andie und drückte ihre Gastgeberin an sich. »Früher als Justin und ich in L.A. gelebt haben, war ich Model.« Sie stockte und es fiel ihr sichtlich schwer, weiterzureden.

»Was ist denn da passiert?«

»Auch ich habe Drogen genommen, wie es das Klischee immer so will«, erzählte Ashley mit einem ironischen und traurigen Grinsen. »Seitdem ich den Entzug gemacht habe, bin ich kein Model mehr. Justin und ich haben uns damals kennengelernt und später ja auch geheiratet. Doch das mit den Drogen ist noch immer mein Problem.«

»Man hat Angst, die Kontrolle zu verlieren, kriegt Panikattacken und zittert am ganzen Leib«, sagte Andie nun und erinnerte sich an ihre eigene Krankheit.

Nun schaute auch Ashley sie an und fragte verblüfft: »Woher weißt du das?«

Ein verständnisvolles Lächeln schlich sich auf Andies Gesicht und wieder lagen sich die beiden Frauen in den Armen. »Mein Bruder ist bei einem Autounfall gestorben und meine Mom hatte danach psychische Probleme. Sie saß hinterm Steuer, als wir den Unfall hatten. Mein Bruder Tim hat als einziger nicht überlebt. Ich wollte die perfekte Tochter sein und wurde dadurch selbst so krank, dass auch ich Tabletten schlucken musste und dieselben Probleme hatte wie du jetzt hast.«

Ashley sah Andie mit großen Augen an und in diesem Moment fühlte sie sich nicht mehr so allein. Dankbar blickte sie die Person neben sich an und drückte sie an sich.

»Und es wird besser?«, fragte sie dann voller Hoffnung.

Nachdem Andie der blonden Frau die Haare aus dem Gesicht gestrichen hatte, sagte sie langsam: »Es gibt bessere Tage und schlechtere Tage, aber auf jeden Fall braucht man Unterstützung. Auch heute gehe ich noch hin und wieder zu einer Selbsthilfegruppe.«

Doch Ashley schüttelte ihren Kopf: »Das könnte ich niemals. Ich versuche ja jetzt schon immer so perfekt zu sein und es allen Leute recht zu machen.«

Andie widersprach ihr: »Genau das ist es. Die Leute sollten dich so akzeptieren, wie du bist. Mit deinen Fehlern und deiner Vergangenheit.«

Ashley nickte zwar, doch Andie wusste, dass sie erst mal über alles nachdenken und ruhiger werden musste.

»Aber lass uns erst mal hier aus dem Bad gehen. Du bist ja schon ganz kalt«, meinte Andie nun und die beiden Frauen standen vom eisigen Fliesenboden auf.

Zehn Minuten später saßen sie gemeinsam auf der Couch, in eine Decke eingewickelt. Im Fernseher lief irgendein Film und immer wieder schaute Andie zu Ashley hinüber. Sie hoffte, dass sie Ashley geholfen hatte und auch weiterhin helfen konnte.

~*~

»Es ist ja schon fast wie damals, meinst du nicht, Pacey?«, fragte Gretchen ihren kleinen Bruder vom Sofa aus.

Dieser stand gerade in der Küche und war dabei ein kühles Bier zu öffnen.

»Was meinst du mit ‚damals’?«, fragte dieser ahnungslos, bevor ihm bewusst wurde, worauf sie hinaus wollte. »Du meinst wie früher, als du mich mit unserer kleinen Geschwister-WG davor bewahrt hast, die nächsten Monate auf der ‚True Love‘ zu verbringen?«, fragte Pacey nun und setzte sich ans Fußende der Couch, um Gretchens Beine auf seine Oberschenkel zu legen.

Sie nickte nur und nippte an ihrer Teetasse.

»Mhh«, meinte Pacey daraufhin, »ich glaube nicht, dass das vergleichbar ist. Denn schau doch nur, was inzwischen alles passiert ist. Jen ist gestorben.« Dies versetzte Pacey einen kurzen Stich im Herzen. »Dawson lebt inzwischen als erfolgreicher Regisseur in L.A. und auch ich bin nicht mehr der Teenager von früher.«

»Nein, das bist du wirklich nicht«, meinte Gretchen, »aber immerhin heißt dein bester Freund immer noch Dawson Leery und auch die Frau an deiner Seite hat nicht ihren Namen geändert.«

Pacey wusste, wie sehr Gretchen Joey mochte und als sie vor einigen Monaten davon erfuhr, dass Joey und Pacey wieder zusammen waren, hatte sie ihre überschwängliche Freude darüber sehr deutlich zum Ausdruck gebracht.

»Bist du dir eigentlich darüber bewusst, dass ich schon damals gemutmaßt habe, dass das mit Joey und dir ein gutes Ende nehmen würde?« Pacey schaute seine Schwester ungläubig an. »Als ich damals aus Capeside verschwand, hattest du dich gerade von Joey getrennt und ich habe zu dir gesagt, dass euch diese Trennung nur gut tun kann, um herauszufinden, was in eurer Beziehung schief gelaufen ist. Gut, ich konnte nicht ahnen, dass diese Pause so lange dauern …«

Pacey unterbrach seine Schwester sogleich. »Gretchen, Joey ist schwanger.«

Die junge Frau verschluckte sich fast an ihrem Tee und musste erst zweimal kräftig husten, um wieder zu Atem zu kommen. Ihr Gesicht hellte sich auf. »Was? Mein kleiner Bruder wird Vater? Lass dich umarmen«, sagte Gretchen und streckte die Arme nach Pacey aus. Dieser blieb jedoch starr sitzen und rührte sich nicht vom Fleck. Gretchen verlangte nach einer Erklärung.

»Ich hab mich genauso gefreut wie du, Gretchen, wenn nicht sogar noch mehr. Aber wann immer ich in Joeys Gesicht geschaut habe, sah ich immer nur Unentschlossenheit. Entweder sie will dieses Kind nicht oder sie will es nicht mit mir. Oder sie kann sich einfach nicht vorstellen, mit mir ihre Zukunft zu verbringen.«

»Das kann ich mir nicht denken«, erwidert Gretchen daraufhin. Ich hab doch gesehen, wie verrückt sie nach dir ist und das ist bestimmt keine Einbildung.«

Pacey schaute traurig auf den Boden. »Und warum hat sie dann meinen Heiratsantrag abgelehnt?« Pacey erzählte seiner Schwester die ganze Geschichte von dem Tag an, seit die Beziehung zu Joey an diesen schwierigen Punkt gekommen war.

»Vielleicht war das wirklich etwas zu überstürzt, Pacey! Ich glaube Joey ist schon verwirrt genug und der Heiratsantrag kam wahrscheinlich einfach zu einem falschen Zeitpunkt. Und, dass Joey nicht ans Telefon geht, nun ja, das würde ich nicht unbedingt überbewerten. Sie braucht vermutlich einfach etwas Zeit zum nachdenken.«

Pacey nickte und seine Miene hellte sich langsam etwas auf.

»Wenn du möchtest, dann rede ich mal mit ihr«, bot Gretchen ihrem Bruder an, doch dieser winkte ab.

»Nein, lieber nicht. Ich hoffe, dass wir das allein wieder hinbekommen.«

Gretchen nahm Pacey in den Arm und zog ihn ganz dicht an sich. »Ich bin froh, dass du mir davon erzählt hast. Und wenn die Situation nicht besser wird, kannst du natürlich immer mit mir rechnen. Ich bin für dich da!« Gretchen lief eine kleine Träne über die Wange, die sie sofort wegwischte, um Pacey nicht zu zeigen, dass sie so gerührt war.

»Das werde ich tun«, meinte Pacey lächelnd und fühlte sich schon wieder viel besser. »Ich würde mich so über dieses Kind freuen und wenn Joey denkt, dass ich sie nur deshalb heiraten würde, dann liegt sie falsch. Ich liebe sie doch, Gretchen. Gerne hätte ich schon viel früher mit jemandem darüber geredet, aber Jack hat im Moment genug eigene Sorgen, Andie muss sich erst einmal wieder eingewöhnen und bei Dawson hab ich mich nicht getraut anzurufen, obwohl mir seine Meinung mit am wichtigsten gewesen wäre.«

Pacey stand auf und ging wieder hinüber in die Küche, um ein paar Kekse aus dem Schrank zu holen.

Gretchen überlegte. »Mhh, Dawson hat wahrscheinlich im Moment wirklich sehr viel zu tun. Seine Serie gefällt mir wirklich gut, ich find es nur sehr schade, dass er deshalb so wenig Zeit für seine Familie und Freunde hat.«

Pacey lächelte. »Ja, das schon, aber er hat es geschafft, sich seinen größten Traum zu erfüllen. Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich für ihn freue.«

Gretchen wusste, dass Pacey und Dawson nie den Kontakt zueinander verlieren würden, denn sie hatten etwas überstanden, was normale Freundschaften niemals überleben würden. Das hatte sie nur noch enger verbunden.

Pacey setzte sich wieder zu seiner Schwester auf die Couch. »Ich weiß, das klingt jetzt sicher albern, aber ich freue mich, dass du wieder da bist, Gretchen Frettchen!«

Gretchens Gesicht strahlte: »Vor ein paar Jahren hätte ich dir einen Vogel gezeigt, aber weißt du was, ich glaube dir, dass du das ernst meinst. Ich bin ja auch froh endlich wieder in Capeside zu sein.«

~*~

»Aufwachen du Schlafmütze«, flüsterte Jack Doug entgegen und strich ihm sanft über das Haar. Jack hielt Amy im Arm und die Kleine strahlte ihren noch schlafenden Papa lächelnd an. »Amy, ich glaub du musst mir helfen. Dein Daddy will einfach nicht aufstehen«, sagte Jack liebevoll und grinste seine Ziehtochter an.

»Dadda«, sagte das kleine Mädchen und man konnte sehen, wie sich auf dem eben noch regungslosen Gesicht von Doug ein kleines Lächeln bildete.

Noch mit geschlossenen Augen erwiderte er: »Ja ja, ihr habt es ja geschafft, bin schon wach.«

Jack hielt Amy so nah an Dougs Gesicht, dass diese ihm einen Schmatzer auf die Wange geben konnte. Jack tat es ihr gleich und küsste die andere Wange in Dougs Gesicht.

»So lob ich mir das. Ihr könnt mich ab jetzt gerne jeden Morgen auf diese Weise wecken«, strahlte Doug und richtete sich in dem großen Bett auf. Er klopfte auf die Bettseite neben sich und bat Jack so darum, sich dort hinzusetzten. Amy setzte sich vorher auf Dougs Schoß.

Etwas peinlich berührt runzelte Jack die Stirn. »Doug, ich muss dir etwas sagen.«

»Hast du etwa die Frühstücksbrötchen anbrennen lassen, denn das wäre dann überhaupt nicht …« Doug schien an diesem Morgen wirklich gute Laune zu haben.

Jack lächelte. »Nein, das ist es nicht, obwohl sie wirklich etwas dunkel geworden sind. Ich wollte dir eigentlich nur sagen, dass ich auch noch nie einen Freund hatte, mit dem ich so glücklich war wie mit dir jetzt.«

Doug erschrak. »Du hast gehört, was ich gestern Abend gesagt habe?«

»Ja, das habe ich. Und es war wirklich total süß. Hätte ich die Augen geöffnet, hättest du vermutlich aufgehört zu reden und das wollte ich nun wirklich nicht.« Jack griff nach Dougs Hand und verstrickte dessen Finger mit seinen.

»Jack, das ist mir jetzt wirklich peinlich«, erwiderte Doug und ließ Amy auf dem Bett herumhüpfen.

»Das muss dir nicht peinlich sein, denn es ist das Tollste, was je ein Mann zu mir gesagt hat.«

Er drückte Doug einen sanften Kuss auf den Mund. Irgendwie war Doug die Situation sehr unangenehm, er wusste aber auch, dass Jack das, was er eben gesagt hat, ernst meinte und irgendwie war er auch froh, dass er ihn gestern Abend hatte reden hören.

»Mist, schon so spät?«, fragte Doug jetzt Jack und reichte ihm Amy rüber. »Ich muss in einer halben Stunde auf dem Revier sein.

Jack schmollte. »Kannst du das nicht irgendwie verschieben?«

»Das geht leider nicht«, sagte Doug, während er sich seine Hose und ein T-Shirt anzog. »Wir haben heute eine ganze Menge Papierkram zu erledigen und das nimmt viel Zeit in Anspruch.«

»Für ein Frühstück reicht deine Zeit doch aber noch, oder?«, fragte ihn Jack, nun wieder etwas besser gelaunt.

»Aber klar doch. Für ein Schnelles«, sagte Doug daraufhin.

Am frisch gedeckten Tisch, den Jack vorher schon vorbereitet hatte, setzten sie Amy in ihren Hochstuhl und schnitten sich jeder ein Brötchen auf.

»Um noch mal auf vorhin zurückzukommen«, begann Jack nach kurzer Zeit ein Gespräch, »ich wüsste gar nicht, wie ich das hier ohne dich alles schaffen würde. Du bist mir wirklich eine riesengroße Hilfe, Doug.«

Jack tat so, als hätte er eben nichts gesagt und biss in sein Nutellabrötchen. Doug lächelte ihm entgegen. »Ich bin auch froh, dass ich nicht mehr alleine bin und dass ich gleich eine ganze Familie bekomme, hätte ich mir im Traum nicht einfallen lassen. Ich liebe dich, Jack!«

Jack war etwas verdutzt, denn so offen hatte er Doug noch nie erlebt. »Ich dich auch, Honey.«

Langsam räumte Doug nun die Teller und die anderen Frühstückssachen weg, während Jack Amy noch zu Ende fütterte.

»Was ich mir grad so überlegt habe, Jack. Wenn wir uns sowieso schon benehmen wie ein altes Ehepaar, warum heiraten wir dann nicht einfach? In Las Vegas dauert das auch bestimmt nicht lange.« Doug zog sich seine Jacke an, drückte Amy einen Kuss auf die Stirn und sagte noch schnell zu Jack: »Denk drüber nach.« Grinsend verschwand er durch die Eingangstür und ließ Amy und Jack allein zurück.

Jack konnte es nicht fassen.

Was hatte Doug da gerade gesagt? Sie sollten heiraten? Und das aus dem Munde von Douglas Witter, dem wohl verklemmtesten Menschen, den Jack je kennen gelernt hatte.

Aber sie beide liebten sich.

Warum sollten sie das eigentlich nicht tun? Viel verändern würde diese Hochzeit in ihrem Leben zwar nicht, aber vielleicht würde das die Beziehung noch etwas mehr festigen.

Über eine Stunde lief Jack im Haus auf und ab und wusste nicht, was er mit Dougs Vorschlag anfangen sollte. Denn einen richtigen Antrag hatte er ihm ja nicht gemacht.


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